Mindestmaße Norwegen: Tabelle und wichtige Regeln für Angler
Norwegen bietet hervorragende Möglichkeiten zum Meeresangeln. Dennoch darf nicht jeder gefangene Fisch automatisch entnommen werden. Die gesetzlichen Mindestmaße in Norwegen sollen sicherstellen, dass junge Fische ausreichend Zeit haben, sich fortzupflanzen und die Bestände zu erhalten.
Welche Länge vorgeschrieben ist, hängt von der Fischart und teilweise vom Fanggebiet ab. Besonders wichtig ist die Grenze bei 62 Grad nördlicher Breite. Außerdem gelten bei Dorsch, Heilbutt und Rotbarsch zusätzliche regionale Schutzbestimmungen, die über das reine Mindestmaß hinausgehen.
Dieser Ratgeber zeigt die wichtigsten Mindestmaße für Freizeitangler. Die Angaben entsprechen dem Stand vom 1. Oktober 2026. Da Norwegen seine Fischereiregeln ändern kann, solltest du die Vorschriften vor jeder Reise zusätzlich in der norwegischen Fritidsfiske-App oder beim Fiskeridirektoratet kontrollieren.
Mindestmaße in Norwegen auf einen Blick
Die folgende Tabelle enthält die für deutsche Norwegenangler wichtigsten Fischarten. Sie bezieht sich auf das Freizeitangeln im norwegischen Meer.
| Fischart | Gebiet | Mindestmaß |
|---|---|---|
| Dorsch | nördlich von 62°N, innerhalb von 4 Seemeilen der Basislinie | 55 cm |
| Dorsch | nördlich von 62°N, außerhalb von 4 Seemeilen der Basislinie | 44 cm |
| Dorsch | südlich von 62°N | 40 cm |
| Schellfisch | nördlich von 62°N | 40 cm |
| Schellfisch | südlich von 62°N | 32 cm |
| Heilbutt | grundsätzlich in zulässigen Fanggebieten | 84 cm |
| Schwarzer Heilbutt | gesamtes Land | 45 cm |
| Wittling | gesamtes Land | 32 cm |
| Seehecht | gesamtes Land | 30 cm |
| Scholle | gesamtes Land | 29 cm |
| Rotbarsch | innerhalb von 12 Seemeilen der Basislinie | 32 cm |
| Rotbarsch | außerhalb von 12 Seemeilen der Basislinie | 30 cm |
| Seeforelle | Nordland, Troms und Finnmark | 30 cm |
| Seeforelle | übriges Norwegen | 35 cm |
| Seeteufel | beim Fang mit Stellnetzen | 60 cm |
Wichtig: Ein vorhandenes Mindestmaß bedeutet nicht automatisch, dass du die betreffende Art jederzeit fangen darfst. Fangverbote, Schonzeiten und Schutzgebiete haben immer Vorrang. Das betrifft unter anderem Heilbutt, Rotbarsch und Dorsch.
Was bedeutet das Mindestmaß beim Angeln in Norwegen?
Das Mindestmaß legt fest, welche Länge ein Fisch mindestens erreichen muss, bevor ein Freizeitangler ihn regulär entnehmen darf. Dadurch sollen kleine Fische möglichst lange im Bestand bleiben und mindestens einmal ablaichen können.

Fängst du einen lebensfähigen Fisch unter dem vorgeschriebenen Maß, solltest du ihn vorsichtig abhaken und unverzüglich zurücksetzen. Feuchte vorher deine Hände an und vermeide es, den Fisch auf trockene oder heiße Oberflächen zu legen. Außerdem solltest du ihn nicht länger als unbedingt notwendig außerhalb des Wassers halten. Gezieltes Angeln auf untermaßige Fische kann geahndet werden.
Wenn an einem Platz ständig zu kleine Fische beißen, solltest du deshalb den Köder vergrößern, die Fangtiefe verändern oder den Platz wechseln. Das Mindestmaß stellt allerdings nur eine der geltenden Regeln dar. Zusätzlich können Schonzeiten, vollständige Fangverbote, Höchstmaße, Schutzgebiete und besondere Bestimmungen für bestimmte Angelgeräte gelten.
Wie misst man einen Fisch in Norwegen richtig?
Die Länge eines Fisches wird von der Spitze des Mauls bis zum Ende der äußersten Strahlen der Schwanzflosse gemessen. Der Fisch sollte dabei gerade auf einer ebenen Unterlage liegen. Ein festes Maßbrett liefert meist ein genaueres Ergebnis als ein loses Schneidermaßband.
Lege den Kopf bündig an den Anfang des Maßbretts und strecke den Fisch nicht künstlich. Anschließend liest du die Länge am äußersten Ende der Schwanzflosse ab. Bei Grenzfällen solltest du besonders genau messen und im Zweifel auf eine Entnahme verzichten.
Eine Messmarkierung am Bootsrand kann als schnelle Orientierung dienen. Für eine verlässliche Kontrolle ersetzt sie jedoch kein richtiges Maßband oder Maßbrett. Durch Perspektive, Wellenbewegung und die Körperhaltung des Fisches entstehen sonst schnell Messfehler.
Bewahre das Messgerät so auf, dass du es nach der Landung sofort erreichen kannst. Je kürzer der Fisch auf seine Vermessung warten muss, desto höher ist seine Überlebenschance bei einer notwendigen Freilassung.
Warum ist die Grenze bei 62°N so wichtig?
Mehrere norwegische Fischereiregeln unterscheiden zwischen Gebieten nördlich und südlich des 62. Breitengrades. Die Grenze verläuft ungefähr auf Höhe von Stad an der norwegischen Westküste. Eine grobe Orientierung anhand der nächstgelegenen Ortschaft reicht bei rechtlich relevanten Fragen jedoch nicht aus.
Nutze deshalb die Positionsanzeige deines Kartenplotters oder einer geeigneten Karten-App. Bei einem Standort nördlich von 62°N können andere Mindestmaße und Schonzeiten gelten als wenige Kilometer weiter südlich. Für Dorsch kommt nördlich des 62. Breitengrades eine weitere Grenze hinzu. Dort unterscheidet das Regelwerk zwischen Gewässern innerhalb und außerhalb von vier Seemeilen der norwegischen Basislinien.
Die Basislinie darf nicht mit der sichtbaren Küstenlinie verwechselt werden. Sie verbindet festgelegte Punkte entlang der stark gegliederten Küste. Dadurch können Inseln, Schären und Fjorde innerhalb der Basislinie liegen, obwohl sie sich weit vom Festland entfernt befinden.
Mindestmaß für Dorsch in Norwegen
Der Dorsch gehört zu den wichtigsten Zielfischen deutscher Norwegenangler. Gleichzeitig gelten für ihn vergleichsweise komplexe regionale Regeln. Nördlich von 62°N beträgt das Mindestmaß innerhalb von vier Seemeilen der Basislinie 55 Zentimeter. Außerhalb dieser Entfernung liegt es bei 44 Zentimetern. Südlich des 62. Breitengrades beträgt das allgemeine Mindestmaß 40 Zentimeter. Vor allem das höhere Küstenmindestmaß von 55 Zentimetern wird leicht übersehen. Wer in einem Fjord, zwischen vorgelagerten Inseln oder in Küstennähe angelt, sollte deshalb vor dem ersten Angeltag feststellen, auf welcher Seite der Vier-Seemeilen-Grenze sich der Fangplatz befindet.
Dorschfang im Oslofjord
Im Oslofjord darf ganzjährig nicht gezielt auf Dorsch geangelt werden. Das betroffene Gebiet umfasst das Meeresgebiet innerhalb der Basislinie von Telemark bis zur schwedischen Grenze. Darüber hinaus bestehen im Oslofjord vollständige Nullfischereigebiete. In diesen Bereichen ist nicht nur der Dorschfang, sondern grundsätzlich das Fischen und Sammeln von Fischen und Schalentieren verboten. Kinder dürfen dort lediglich unter bestimmten Voraussetzungen mit einer Schnur nach Krabben fischen. Zusätzlich gelten zwischen dem 1. Januar und dem 30. April Fangverbote in ausgewiesenen Laichgebieten für Dorsch. Daher reicht es in dieser Region nicht aus, lediglich das allgemeine Mindestmaß von 40 Zentimetern zu kennen.
Mindestmaß für Schellfisch in Norwegen
Beim Schellfisch unterscheidet Norwegen ebenfalls zwischen den Gebieten nördlich und südlich von 62°N. Im Norden beträgt das Mindestmaß 40 Zentimeter. Südlich dieser Grenze müssen Schellfische mindestens 32 Zentimeter lang sein. Schellfische leben häufig in Grundnähe und werden beim Naturköderangeln sowie beim Pilken gefangen. Treten an einem Platz überwiegend kleine Exemplare auf, solltest du größere Haken verwenden oder den Standort verändern. Kontrolliere den Fang genau, weil kleinere Schellfische gelegentlich mit jungen Dorschen verwechselt werden. Der dunkle Fleck oberhalb der Brustflosse, die dunkle Seitenlinie und der vergleichsweise kleine Unterkiefer helfen bei der Bestimmung.
Heilbutt: Mindestmaß, Höchstmaß und Fangverbote
Für Heilbutt gilt ein Mindestmaß von 84 Zentimetern. Freizeitangler, die den Fisch ausschließlich für den eigenen Verbrauch entnehmen, müssen sich an dieses Längenmaß halten. Das zusätzlich genannte Gewicht von 7,2 Kilogramm spielt für den privaten Eigenverbrauch keine Rolle. Gleichzeitig besteht ein verbindliches Höchstmaß. Heilbutte mit einer Länge von mehr als zwei Metern müssen in allen norwegischen Gewässern zurückgesetzt werden. Das gilt unabhängig davon, ob der Fisch noch lebensfähig, sterbend oder bereits verendet ist. Bei einem Heilbutt ohne Kopf liegt die entsprechende Grenze bei 1,60 Metern.
Für große Heilbutte empfiehlt sich deshalb eine Vermessung längsseits des Bootes. So kannst du den Fisch möglichst im Wasser lassen. Verwende eine kräftige Lösezange und vermeide es, einen möglicherweise über zwei Meter langen Heilbutt an Bord zu ziehen.
Wo und wann darf auf Heilbutt geangelt werden?
Südlich von Stad beziehungsweise 62°N ist das gezielte Heilbuttangeln ganzjährig verboten. Lebensfähige Heilbutte müssen dort wieder freigelassen werden. Nördlich von 62°N gilt eine Schonzeit vom 20. Dezember bis einschließlich 20. April. Während dieses Zeitraums darf nicht gezielt auf Heilbutt geangelt werden. Das Verbot betrifft sämtliche Fanggeräte und somit auch Angelruten und Handangeln. Auf der Sklinnabank existiert außerdem ein abgegrenztes Gebiet, in dem das Heilbuttangeln ganzjährig verboten ist. Wer eine gezielte Heilbutttour plant, sollte deshalb neben dem Mindestmaß immer die aktuellen Gebietskarten kontrollieren.
Für schweres Naturköderangeln und große Tiefen brauchst du eine passende Rolle, eine zuverlässige Bremse und genügend Schnurfassung. Der Ratgeber über Multirollen für Norwegen erklärt, worauf es bei der Auswahl ankommt.
Mindestmaß für Rotbarsch
Beim Rotbarsch richtet sich das Mindestmaß nach der Entfernung zur norwegischen Basislinie. Innerhalb von zwölf Seemeilen beträgt es 32 Zentimeter. Außerhalb dieser Grenze liegt es bei 30 Zentimetern.
Allerdings darf nördlich von 62°N nicht ganzjährig auf Rotbarsch geangelt werden. Dort ist das Angeln grundsätzlich verboten. Eine Ausnahme besteht für das Angeln mit der Juksa, also einer traditionellen Handleine beziehungsweise vergleichbaren Handangel, zwischen dem 1. Juni und dem 31. August.
Gerade beim Tiefseeangeln solltest du die Vorschriften vor dem Ablassen der Montage prüfen. Aus großer Tiefe heraufgeholte Rotbarsche erleiden häufig starke Druckverletzungen. Ein versehentlicher Fang lässt sich daher schlechter schonend zurücksetzen als ein kleiner Fisch aus flachem Wasser.
Welche Meeresfische haben für Freizeitangler kein Mindestmaß?
Für einige häufig gefangene Arten gibt es beim privaten Freizeitangeln kein gesetzliches Mindestmaß. Das betrifft nach den veröffentlichten Regeln des norwegischen Fiskeridirektoratet:
- Makrele
- Köhler beziehungsweise Seelachs
- Lumb
- Steinbeißer
- Pollack
Die Ausnahme bei Makrele und Köhler gilt für Freizeitfänge, die nicht verkauft werden. Daraus folgt jedoch keine Empfehlung, beliebig kleine Exemplare zu entnehmen. Sehr kleine Fische liefern wenig verwertbares Fleisch und spielen für den zukünftigen Bestand eine wichtige Rolle.
Auch eine Art ohne Mindestmaß kann zeitweise oder regional geschützt sein. Außerdem können besondere Vorgaben für Angelgeräte, Schutzgebiete oder die Weitergabe und Ausfuhr des Fangs gelten.
Mindestmaße für Krabben, Hummer und andere Schalentiere
Beim Fang von Schalentieren gelten andere Messpunkte als bei Fischen. Deshalb reicht ein gewöhnliches Maßband nicht immer aus.
| Art | Gebiet | Mindestmaß |
|---|---|---|
| Taschenkrebs | von der schwedischen Grenze bis einschließlich Rogaland | 11 cm |
| Taschenkrebs | übriges Norwegen | 13 cm |
| Norwegischer Hummer | gesamtes Land | 90 mm Rückenpanzerlänge |
| Kaisergranat | gesamtes Land | 13 cm |
| Große Pilgermuschel | gesamtes Land | 10 cm |
Den Taschenkrebs misst du an der breitesten Stelle des Panzers. Beim Kaisergranat reicht die Messstrecke von der Spitze des Stirnhorns bis zum hinteren Rand des mittleren Schwanzfächers. Die Pilgermuschel wird an ihrer längsten Schalenlänge gemessen.
Neue Messmethode für Hummer ab Oktober 2026
Seit Beginn der Hummersaison am 1. Oktober 2026 wird der norwegische Hummer anhand der Rückenpanzerlänge gemessen. Das Mindestmaß beträgt 90 Millimeter.
Gemessen wird von der hinteren Begrenzung der Augenhöhle bis zum hinteren Rand des Rückenpanzers entlang der Mittellinie. Eine spezielle Hummerlehre erleichtert die Kontrolle und verhindert ungenaue Messungen.
Von der schwedischen Grenze bis einschließlich Agder gilt zusätzlich ein Höchstmaß von 115 Millimetern Rückenpanzerlänge. Hummer, die dieses Maß erreichen oder überschreiten, müssen zurückgesetzt werden.
Darüber hinaus gelten feste Hummersaisons, Registrierungspflichten, Begrenzungen bei der Zahl der Reusen und regionale Schutzgebiete. Eiertragende Hummer sind geschützt. Daher solltest du vor dem Auslegen einer Hummerreuse stets die vollständigen aktuellen Regeln prüfen.
Mindestmaße für Meerforellen
Für Meerforellen gelten zwei regionale Mindestmaße. In Nordland, Troms und Finnmark beträgt die vorgeschriebene Länge 30 Zentimeter. Im übrigen Norwegen liegt das Mindestmaß bei 35 Zentimetern. Zusätzlich können an Flussmündungen, in Schutzbereichen und zu bestimmten Jahreszeiten strengere Regeln bestehen. Auch lokale Vorschriften können über das allgemeine Mindestmaß hinausgehen.
Wer an der Küste mit Kunstködern angelt, fängt neben Meerforellen häufig Pollack, Köhler oder Makrelen. Welche Bauformen, Lauftiefen und Führungsweisen dabei infrage kommen, zeigt der ausführliche Beitrag über Wobbler.
Welche Fischarten sind in Norwegen vollständig geschützt?
Ein Mindestmaß darf nicht mit einer generellen Entnahmeerlaubnis verwechselt werden. Einige Arten stehen vollständig unter Schutz und müssen unabhängig von ihrer Größe zurückgesetzt werden.
Dazu gehören unter anderem der gewöhnliche Aal, der Heringshai, der Dornhai, der Riesenhai und die Blauleng. Auch für Thunfisch bestehen strenge Zugangsregeln. Ohne eine besondere Erlaubnis darf nicht gezielt auf Atlantischen Blauflossenthun gefischt werden.
Eine geschützte Art solltest du möglichst im Wasser abhaken. Falls du sie anheben musst, stütze ihren Körper und vermeide jeden unnötigen Kontakt mit Kiemen und Augen. Anschließend setzt du sie schnell und kontrolliert zurück.
Was tun, wenn der Fisch unter dem Mindestmaß liegt?
Stelle zuerst fest, ob der Fisch zweifelsfrei untermaßig ist. Danach löst du den Haken so schnell und schonend wie möglich.
Gehe dabei folgendermaßen vor:
- Bereite Maßband, Zange und gegebenenfalls einen Seitenschneider vor dem Angeln vor.
- Feuchte Hände und Abhakunterlage an.
- Miss den Fisch unmittelbar nach der Landung.
- Entferne den Haken vorsichtig, ohne an den Kiemen zu ziehen.
- Setze einen lebensfähigen untermaßigen Fisch sofort zurück.
- Wechsle Platz, Tiefe oder Ködergröße, wenn weitere kleine Fische beißen.
Sitzt der Haken tief, kann es schonender sein, das Vorfach möglichst nah am Maul zu durchtrennen. Langes und gewaltsames Hantieren verursacht häufig größere Verletzungen als ein zunächst im Fisch verbleibender Haken.
Das norwegische Fiskeridirektoratet weist darauf hin, dass ein bereits verendeter oder nicht mehr lebensfähiger untermaßiger Fisch verzehrt werden kann. Das ist jedoch keine Erlaubnis, gezielt kleine Fische zu fangen. Bei über zwei Meter langen Heilbutten gilt außerdem eine strengere Sonderregel: Sie müssen unabhängig von ihrem Zustand zurück ins Meer.
So vermeidest du zu kleine Fische
Fängst du mehrere untermaßige Fische hintereinander, solltest du nicht einfach mit derselben Methode weiterangeln. Häufig halten sich kleine Dorsche, Köhler oder Schellfische in dichten Gruppen auf. Ein Platzwechsel kann daher sofort zu einer anderen Größenstruktur führen.
Größere Haken und voluminösere Köder verringern die Zahl sehr kleiner Beifänge. Sie schließen kleinere Fische zwar nicht vollständig aus, erschweren ihnen jedoch das Aufnehmen des Köders.
Auch die Fangtiefe spielt eine Rolle. Kleine Fische stehen häufig an anderen Strukturen oder in anderen Wasserschichten als größere Exemplare. Beobachte deshalb Echolot, Drift und Bodenstruktur, statt jeden Biss am gleichen Punkt zu erzwingen.
Beim schweren Meeresangeln können große Jigköpfe und Naturköder gezielt in Grundnähe angeboten werden. Wie solche Köder aufgebaut und geführt werden, erklärt der Beitrag über die Dorschbombe.
Mindestmaß, Schonzeit und Fanglimit sind nicht dasselbe
Das Mindestmaß bestimmt, wie groß ein entnahmefähiger Fisch mindestens sein muss. Eine Schonzeit legt dagegen fest, wann eine Art nicht gezielt gefangen werden darf. Schutzgebiete begrenzen den Fang räumlich, während Fanglimits die erlaubte Anzahl oder Menge betreffen.
Daneben bestehen für ausländische Angeltouristen eigene Ausfuhrbestimmungen. Ein ausreichend großer und legal entnommener Fisch darf deshalb nicht automatisch in unbegrenzter Menge aus Norwegen ausgeführt werden.
Auch die Registrierung eines touristischen Angelbetriebs hat keinen Einfluss auf die Mindestmaße. Die Längenvorgaben gelten unabhängig davon, ob du privat, über einen registrierten Betrieb oder mit einem Guide angelst.
Gelten die Mindestmaße auch im Süßwasser?
Die hier genannten Mindestmaße betreffen in erster Linie das Freizeitangeln im norwegischen Meer. In Seen und Flüssen gelten häufig andere Regeln. Dort können Grundstückseigentümer, Fischereiberechtigte oder lokale Behörden eigene Mindestmaße, Entnahmefenster und Fangbegrenzungen festlegen.

Für Lachs, Meerforelle und Wandersaibling gelten zudem besondere Bestimmungen. An vielen Gewässern benötigst du eine Angelkarte und teilweise eine staatliche Fischereiabgabe. Bestimmungen an Flussmündungen können ebenfalls von den allgemeinen Meeresregeln abweichen.
Kontrolliere deshalb bei jedem Süßwassergewässer die Bedingungen der konkreten Angelkarte. Eine allgemeine Tabelle für das norwegische Meer ersetzt diese Gewässerordnung nicht.
Ausrüstung zum sicheren Messen und Zurücksetzen
Ein gut ausgestattetes Boot sollte mindestens ein stabiles Maßbrett, eine lange Lösezange, einen Seitenschneider und eine ausreichend große Abhakunterlage bereithalten. Für Heilbutt empfiehlt sich zusätzlich eine gut sichtbare Messmarkierung am Boot.
Überprüfe die Ausrüstung bereits vor der Abfahrt. Bei einem kräftigen Fisch bleibt während der Landung kaum Zeit, nach Zange oder Maßband zu suchen. Außerdem sinkt das Verletzungsrisiko, wenn jedes Werkzeug einen festen Platz besitzt.
Auch die Angel selbst sollte zur Zielfischgröße passen. Eine zu schwache Ausrüstung verlängert den Drill unnötig und erschwert eine schonende Freilassung. Grundlagen zu Griff, Rollenhalter, Beringung und Rutenspitze findest du im Beitrag über den Aufbau einer Angelrute.
Häufige Fehler bei den Mindestmaßen in Norwegen
Ein häufiger Fehler besteht darin, alte Tabellen aus Foren, Ferienhäusern oder Angelkoffern zu verwenden. Norwegen passt seine Vorschriften regelmäßig an. Ein mehrere Jahre alter Ausdruck kann deshalb falsche Mindestmaße oder inzwischen aufgehobene Ausnahmen enthalten.
Ebenso problematisch ist die Verwechslung der Küstenlinie mit der Basislinie. Besonders beim Dorsch kann daraus ein Unterschied zwischen 44 und 55 Zentimetern entstehen.
Manche Angler kontrollieren nur das Mindestmaß und übersehen dabei Schonzeiten oder Fangverbote. Ein 90 Zentimeter langer Heilbutt erfüllt beispielsweise das Mindestmaß. Südlich von 62°N darf trotzdem nicht gezielt auf ihn geangelt werden.
Auch die Fischbestimmung verursacht Fehler. Vor allem junge Dorsche, Schellfische, Köhler und Pollacks werden gelegentlich verwechselt. Deshalb solltest du die wichtigsten Merkmale der norwegischen Meeresfische bereits vor der Reise kennen.
Checkliste vor dem Angeltag
Vor jeder Ausfahrt solltest du folgende Punkte prüfen:
- Welche Fischarten möchtest du gezielt fangen?
- Befindest du dich nördlich oder südlich von 62°N?
- Liegt der Fangplatz innerhalb oder außerhalb der maßgeblichen Basislinien?
- Besteht eine aktuelle Schonzeit?
- Liegt das Gebiet in einer Verbots- oder Schutzzone?
- Welches Mindestmaß gilt für die jeweilige Art?
- Besteht zusätzlich ein Höchstmaß?
- Sind Maßbrett, Lösezange und Seitenschneider griffbereit?
- Welche Regeln gelten für Entnahme und Ausfuhr?
Speichere die relevanten Bestimmungen auf dem Smartphone. Dadurch kannst du sie auch dann kontrollieren, wenn auf dem Wasser keine zuverlässige Internetverbindung besteht.
Häufige Fragen zu den Mindestmaßen in Norwegen
Welches Mindestmaß gilt für Dorsch in Norwegen?
Nördlich von 62°N beträgt das Mindestmaß innerhalb von vier Seemeilen der Basislinie 55 Zentimeter und außerhalb dieser Grenze 44 Zentimeter. Südlich von 62°N gelten grundsätzlich 40 Zentimeter. Im Oslofjord ist das Dorschangeln jedoch ganzjährig verboten.
Welches Mindestmaß gilt für Heilbutt?
Das Mindestmaß für Heilbutt beträgt 84 Zentimeter. Fische über zwei Meter müssen unabhängig von ihrem Zustand zurückgesetzt werden. Zusätzlich gelten regionale und zeitliche Fangverbote.
Haben Köhler und Makrele ein Mindestmaß?
Beim Freizeitangeln für den eigenen Verbrauch besteht für Köhler und Makrele kein gesetzliches Mindestmaß. Das gilt nicht automatisch für kommerzielle Fänge. Auch ohne Mindestmaß ist eine maßvolle Entnahme sinnvoll.
Muss ein untermaßiger Fisch zurückgesetzt werden?
Ein lebensfähiger untermaßiger Fisch sollte vorsichtig abgehakt und unmittelbar zurückgesetzt werden. Wenn an derselben Stelle weitere kleine Fische beißen, solltest du Platz, Tiefe oder Ködergröße ändern.
Wo verläuft die Grenze bei 62°N?
Der 62. Breitengrad verläuft ungefähr bei Stad an der norwegischen Westküste. Für eine rechtssichere Einordnung solltest du jedoch GPS-Daten oder die offiziellen digitalen Karten verwenden.
Wird die Länge mit geschlossener Schwanzflosse gemessen?
Entscheidend ist die Strecke von der Maulspitze bis zum Ende der äußersten Strahlen der Schwanzflosse. Der Fisch sollte dabei gerade auf einer ebenen Messunterlage liegen.
Gelten die Mindestmaße auch für Touristen?
Ja. Die Regeln gelten für alle Personen, die in norwegischen Meeresgewässern angeln. Herkunft, Unterkunft und Buchung über einen touristischen Angelbetrieb ändern die Mindestmaße nicht.
Darf ich einen maßigen Fisch immer behalten?
Nein. Schonzeiten, Fangverbote, Höchstmaße und Schutzgebiete können die Entnahme trotz erreichtem Mindestmaß verbieten. Außerdem können besondere Bestimmungen für einzelne Fischarten und Regionen gelten.
Fazit: Mindestmaße vor jeder Norwegenreise kontrollieren
Die Mindestmaße in Norwegen unterscheiden sich nach Fischart, Region und teilweise nach der Entfernung zur Basislinie. Für Dorsch, Schellfisch, Heilbutt und Rotbarsch reicht eine einfache landesweite Zahl deshalb nicht aus.
Besonders wichtig sind die Grenze bei 62°N, die Vier-Seemeilen-Regel beim Dorsch und die Zwölf-Seemeilen-Regel beim Rotbarsch. Beim Heilbutt kommen ein Mindestmaß von 84 Zentimetern, ein Höchstmaß von zwei Metern und umfassende Fangverbote hinzu.
Prüfe die aktuellen Vorschriften unmittelbar vor der Reise und erneut vor dem Angeltag. Mit einem griffbereiten Maßbrett, der sicheren Bestimmung der Fischart und einer schonenden Freilassung untermaßiger Fische angelst du nicht nur regelkonform, sondern trägst zugleich zum Erhalt der norwegischen Fischbestände bei.






